Die Mühlen vor 1756

Mühlen sind wichtige technikgeschichtliche Zeugnisse und gehören zum Erscheinungsbild unserer Region wie seine Schlösser und Herrensitze. Sie sind für die Bürger, aber auch für die vielen Erholungssuchenden Identifikationspunkte in einer sich immer schneller wandelnden Umwelt. Mühlen machen Geschichte erfahrbar, sie tragen dazu bei, Geschichte lebendig zu präsentieren.

Darüber hinaus sind Mühlen für uns heute Beispiele des sparsamen Umgangs mit Ressourcen. Mit dem wieder erwachenden Interesse an nachhaltigen Wirtschaftsweisen steigt auch das Bedürfnis, sich über die Nutzung regenerativer Energien in der Vergangenheit zu informieren. So sind Mühlen durchaus – auch für unsere heutige Gesellschaft – aus der Vergangenheit in die Zukunft weisende Beispiele umweltgerechter Ressourcennutzung.

Ein Beispiel hierfür ist im Rhein Kreis Neuss die BraunsMühle im Kaarster Stadtteil Büttgen, für die das Jahr 2006 von besonderer Bedeutung ist, kann sie doch in diesem Jahr ihr 250jähriges Bestehen feiern.

250 Jahre bedeutet. dass diese Mühle schon so lange in ihrer heutigen Form besteht, doch vor 425 Jahren, um 1580, ist an dem heutigen Mühlenstandort schon eine Windmühle nachgewiesen. Wie alle Windmühlen zur damaligen Zeit war auch sie eine hölzerne Bockwindmühle.

Die Bockwindmühle, auch „Deutsche Mühle“ bezeichnet, war im westlichen Kulturraum bis ins 17. Jahrhundert der Vorläufer der heute meist bekannten steinernen Windmühlen, die nach ihrer Herkunft auch „Holländermühle“ benannt werden.

Beide Mühlenarten haben eines gemeinsam: Um den Wind effektiv nutzen zu können – bekanntlich weht der Wind im Binnenland aus unterschiedlichen Richtungen – , kann man die Flügel in den Wind drehen.

Der Unterschied zwischen den beiden Mühlenarten besteht nur darin, dass bei der Bockwindmühle die gesamte Mühle in den Wind gedreht werden muss, bei der Holländermühle aber nur das Dach, „Haube“ oder „Kappe“ genannt.

Die erste Büttgener Windmühle von 1580 war also eine Bockwindmühle aus Holz, die bereits 1598, wohl nach einer Brandstiftung, zum ersten Mal abbrannte. Auch die im Jahr 1602 erbaute Nachfolgerin brannte, so ist überliefert, am Nikolaustag (6. Dezember) des Jahres 1627 ab. Eine weitere Mühle wurde im darauffolgenden Jahr, also 1628, an der gleichen Stelle errichtet. Obwohl es sich ebenfalls um eine hölzerne Bockmühle handelte, sollen 30.045 Steine beim Bau verwendet worden sein. Diese Mühle hielt über hundert Jahre, obwohl sie zwischenzeitlich durch verschiedene Kriege beschädigt oder geplündert wurde.